Das Jahr des Winzers - Weinlehrpfad
Herzlich willkommen im Herawingert,

dem Weinberg der Fürstlichen Domäne! Seit dem Jahre 1712 ist dieser Rebberg, der bereits 1322 urkundlich erwähnt wurde, im Familienbesitz der Fürsten von Liechtenstein. Die 2003 erschienene Briefmarkenserie
„Das Jahr des Winzers“ (Martha Griebler) illustriert anschaulich die zwölf Stationen unseres Weinpfades. Sie erhalten einen informativen Einblick in die abwechslungsreichen Arbeiten während eines Rebjahres und die interessanten Tätigkeiten der Hofkellerei. Verfolgen Sie das Werden des Weins vom Rebschnitt bis zur Flaschenabfüllung.



Januar

Abfüllen

Für den Weinbauer endet mit dem Abfüllen des Weins in Flaschen der letzte Schritt in der Weinbereitung und gleichzeitig die letzte Phase auf dem langen Weg von der Rebe zum Glas. Der Kellermeister bestimmt aufgrund von Probeentnahmen aus dem Tank oder Fass und je nach Geschmack
und Reifegrad des Weines den Zeitpunkt der Abfüllung. Mit grösster hygienischer Sorgfalt erfolgt diese je nach Weinsorte wenige Monate nach der Kelterung. In der Flasche reift der Wein dann vollends heran, während sich der Weinfreund bereits auf die trinkfertigen Tropfen freut.




Februar 

Rebschnitt

Nach der langen Winterpause erfolgt im Februar mit dem Rebschnitt die wohl wichtigste Arbeit im Weinberg. Die Reduktion auf eine bestimmte Anzahl Triebe reguliert den Wuchs und die Triebkraft der Reben und hat so entscheidenden Einfluss auf den Ertrag und damit die Qualität des Traubengutes. Der Weinbauer schneidet dabei die Zweige auf die beiden Schenkel zurück, die dem Stamm und dem untersten Draht am nächsten sind. An diesen Ruten lässt er die von ihm gewünschte Anzahl an Knospen (Augen) stehen. In der Regel sind dies 6-7 Augen pro Quadratmeter Standraum.






März 

Aufbinden

In früheren Zeiten wurden die Reben mit gewässerten Weidenruten am Stickel festgebunden. Heute hingegen benutzt man beim Drahtbau einen speziellen Bindedraht, der aus einem in Hanf eingepackten Drahtkern besteht. Gebunden wird auf zweierlei Arten. Beim Doppelstrecker werden die beiden Ruten beidseitig des Stickels am untersten Draht befestigt.
Beim Doppelbogen werden sie zu je einem Halbbogen formiert und angebunden. Das Aufbinden ist eine heikle Aufgabe, die viel Sorgfalt verlangt, weil die Ruten beim Biegen leicht brechen.





April
Bodenbearbeitung

Früher galt ein Winzer, in dessen Weinberg Gras und Unkraut wuchsen, als schlechter Rebbauer. Der „schöne“, unbegrünte Rebberg war das Mass aller Dinge. Mittlerweile hat ein Umdenken stattgefunden und heute hat sich die Begrünung als zentrales Element des ökologischen Weinbaus durchgesetzt. Damit verschwanden auch mühsame Arbeiten wie das Hacken des Bodens und das Erneuern der abgeschwemmten Erde bei Hanglagen. Auch das Unkraut wird nur noch direkt an der Rebe bekämpft und das Umpflügen wird von Jahr zu Jahr und von Zeile zu Zeile alter-nierend durchgeführt.





Mai

Einschlaufen

Beim Einschlaufen wird je nach Wachstum der Rebschosse ein Drittel bis höchstens die Hälfte der Triebe in die Drähte geschlauft. So wird eine möglichst grosse, kompakte Blattmasse geschaffen. Dies dient gleichzeitig als Schutz und verhindert, dass Einzelschosse durch starken Wind (Föhn!) und Unwetter abgebrochen werden. Gerade im Frühsommer können dadurch zumindest bei kleineren Hagelschauern mögliche Schäden an den wachsenden Trauben auf ein Minimum reduziert werden. Beim Ein-schlaufen werden zudem schlechte und überflüssige Triebe entfernt.



Juni
Laubarbeit

Im Juni ist die Blütezeit der Reben. Die nun anstehenden, frühsommerlichen Laubarbeiten sind sehr zeitintensiv und dienen, ebenso wie der Rebschnitt im Februar, der Ertragsregulierung und Qualitätsoptimierung. Es werden alle Triebe, die keine Trauben tragen, entfernt und bei den Trieben, die im nächsten Jahr nicht als Jahresruten benötigt werden, „zwickt“ man die Enden ab. Zusätzlich werden in der Traubenzone Blätter herausgebrochen. All diese Arbeiten dienen dazu, dass Sonne und Wachstumsenergie optimal in die erhaltenen Schosse und Trauben gelangen.





Juli 
Höhentriebe entfernen

Durch das Entfernen der Höhentriebe – auch „Obenabnehmen“ oder „Gipfeln“ genannt – wird eine Dachbildung durch das Überhängen langer Triebe verhindert. Die Triebe dürfen aber nicht zu tief abgebrochen oder -geschnitten werden, denn während des Reifeprozesses bilden auch die Assimilate der oberen Blätter der Trauben Stärke. In der Regel werden sie daher ca. 20 bis 40 cm über dem obersten Draht gekappt. Durch diese Tätigkeit wird jedoch auch das Wachstum anderer Triebe gefördert, daher muss das „Obenabnehmen“ immer wieder wiederholt werden.




August
Auslichten

Das Auslichten oder auch Auslauben ist die letzte Laubarbeit während des Rebjahres. In der Traubenzone werden grosszügig Blätter und letzte überflüssige Triebe herausgebrochen. Die frei hängenden Trauben trocknen einerseits schneller ab und sind so besser gegen Fäulnis geschützt, andererseits werden sie intensiver besonnt. Die direkte Sonneneinstrahlung bewirkt gleichzeitig bessere Traubenqualitäten: Der Zuckergehalt steigt, während der Säuregehalt sinkt. Ein weiterer Vorteil: Die Weinlese geht einfacher und schneller von der Hand bei freigelegten Trauben.





September
Lesebeginn


Mit zunehmender Reife steigt auch das Risiko des Vogelfrasses. In kleineren Weinbergen werden ab September die Reben zum Schutz mit Netzen abgedeckt. In grösseren Weingärten versucht man die unliebsamen Gäste mit Knalleffekten und anderen Irritationen auf Distanz zu halten. Nachdem von den Verantwortlichen der jeweiligen Gemeinde der Traubenstand besichtigt und in Absprache mit den Weinbauern und dem Kellereibetrieb das Einverständnis zur Lese gegeben wurde, kann endlich die wichtigste Phase des Rebjahres beginnen: das „Wimmeln“.





Oktober 

Keltern


Nach der Lese bringt man das Traubengut sofort in die Kelterbetriebe.
Dort werden die Trauben unter der fachkundigen Aufsicht des Kellermeisters zuerst entstielt, dann angequetscht, wobei die Beerenhaut aufgebrochen wird, dass der Saft gewonnen werden kann. Bei den weissen Traubensorten wird die Traubenmaische sofort abgepresst und anschliessend der Most zur Gärung gebracht. Bei den blauen
Trauben erfolgt die Gärung auf der Maische (Traubensaft mitsamt der Häute), bevor abgepresst wird. Nach der Gärung kommt der Wein zur Lagerung in den Tank oder ins Fass.





November 
Erste Verkostung

Ist der Traubenmost einmal im Tank oder im Fass, steht er unter
permanenter Kontrolle des Kellermeisters. Durch bestimmte Eingriffe
(z. B. Kühlung oder Erwärmung, Beigabe von Hefe) kann er den weiteren Gärungs- und Reifeprozess des werdenden Weins beeinflussen. Auch wenn sich der Traubenmost im Fass auf natürliche Weise klärt, so können z. B. durch Beimischung von Eiweiss unerwünschte Stoffe zusätzlich gebunden und damit leichter herausgefiltert werden.
Manche Weine können bereits nach wenigen Wochen ein erstes
Mal gekostet werden.






Dezember 
Eisweinlese

In der stillsten Zeit des Jahres kehrt in den meisten Weinbergen eine er-holsame Ruhe ein. Manche Weisswein-Winzer haben aber nach der grossen Lese des Herbstes Trauben an den Stöcken hängen lassen, deren Beeren zwar eingefallen sind, die ihren Zuckergehalt jedoch behalten haben. Diese Trauben werden in der Nacht oder am frühen Morgen nach dem ersten Frost gelesen. Daraus entsteht der Eiswein, bei dem die
Trauben noch in gefrorenem Zustand gepresst werden müssen. Eine süsse
und aromahaltige Spezialität, die man vor allem als Apéritif oder als Dessertwein geniesst!